Kantonsrat Bern, Postulat "Umbenennung des Agassizhorns in Rentyhorn"

Eingereicht am 4. September von Christoph Ammann (SP/JUSO,

Während des ganzen Jahres 2007 wird der Naturforscher Louis Agassiz, geboren am 28. Mai 1807 im freiburgischen Matier, in der Schweiz und weltweit für seine naturwissenschaftlichen Arbeiten gefeiert. Vor allem seine Forschungen über die Eiszeiten und die Entwicklung der Gletscher sowie solche auf dem Gebiet der Zoologie haben ihn international bekannt gemacht.

Wie nun aber seit spätestens seit dem 1981 erschienen "The Mismeasure of Man" (deutsch: Der falsch vermessene Mensch) von Jay Gould bekannt ist, hat sich Louis Agassiz auch als bedeutender Rassist und ideologischer Vorläufer der Apartheid hervorgetan. Er hat eine rassistische "Rangfolge" der Menschheit entwickelt und sogar bestritten, das Schwarze überhaupt Teil der Menschheit seien.

In den USA vertrat Louis Agassiz in seinen pseudowissenschaftlichen Forschungen zur Bestimmung der menschlichen Rassen und zu ihrer Klassifizierung die These, Kontakte zwischen Schwarzen und Weissen müssten unterbunden werden; die Schwarzen - die durch den Sklavenhandel in die USA verschleppten Sklaven - sollten nur in den Südstaaten leben dürfen. Er war auch der Auffassung, sexuelle Beziehungen zwischen den Rassen müssten ebenso untersagt werden wie inzestuöse Beziehungen. Durch die Messung von Hirnvolumen sowie durch Fotographien versuchten Agassiz und seine Freunde die "Minderwertigkeit der schwarzen Rasse" zu beweisen.

Eine rassistische Weltanschauung und Werte, die der Würde und Gleichheit aller Menschen, wie sie unsere Bundesverfassung vertritt, widersprechen, sind also mit dem Namen Louis Agassiz unlösbar verbunden. Es ist deshalb stossend, dass mitten im UNESCO-Weltnaturerbe "Jungfrau-Aletschgebiet" ein Berg seinen Namen trägt.

Im Sinne einer moralischen Wiedergutmachung des an den Sklavinnen und Sklaven insgesamt begangenen Unrechts sowie als klaren Positionsbezug gegen den anti-schwarzen Rassismus schlägt ein "transatlantisches Komitee" deshalb eine Umbenennung des Agassizhorns (3946 m.ü.M.) in "Rentyhorn" vor, um dadurch jenen Sklaven aus dem Kongo zu ehren, den Agassiz zusammen mit anderen fotografieren liess.

Die Regierung wird daher gebeten,

unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Name Louis Agassiz nicht nur für naturwissenschaftliche Leistungen steht, sondern auch für Rassismus und gedankliche Vorbereitung der Apartheid, gegenüber den Bundeshörden, welche die Kompetenz haben, Umbenennungen von Berggipfeln vorzunehmen (siehe Dufourspitze), auf eine Umbenennung des Agassizhorns hinzuarbeiten.