Anne Louis Girodet de Roussy Trioson:
Portrait des Jean Baptiste Belley, Abgeordneter von Saint-Domingue in den französischen Konvent (1797)

Während die Revolution konsequent durch alle Stadien von der „Erklärung der Menschenrechte“ (1789) bis zur Abschaffung der Monarchie (1792) ging, wurde zunehmend deutlich, dass die Sklaverei nicht mehr zu halten war. Am 3. Februar 1794 schlug eine Gruppe von haitianischen Delegierten dem Konvent, dem revolutionären Parlament, vor, die Sklaverei abzuschaffen, mit Erfolg. Einer dieser Delegierten war Jean-Baptiste Belley, ein ehemaliger Sklave, welcher noch in Westafrika geboren war.

1797 malte die Künstlerin Anne-Louis Girodet das Portrait von Belley. Es ist ein bemerkenswerter Ausdruck der Spannungen jener Zeit, welche alle in der Darstellung eines Körpers enthalten sind. Belley steht vor einer tropischen Landschaft und trägt die Uniform eines Mitglieds des Konvents. Sein Gesicht wird im traditionellen Dreiviertel-Stil wiedergegeben, welcher damals Aristokraten und Monarchen vorbehalten war. Gleichzeitig zeigt sein Körper einen ungewöhnlichen Hüftknick, welcher ihm einen fast femininen Ausdruck verleiht. Demgegenüber wird aber seine Männlichkeit durch eine deutliche Ausbuchtung in seiner Hose unterstrichen. Belley stützt sich auf eine Büste des Abbé Guillaume-Thomas Raynal (1711-96), welcher die Abschaffung der Sklaverei gefordert und in seinem berühmten Werk „Histoire philosophique et politique des établissemens des Européens dans les deux Indes“ (1780) das Erscheinen eines schwarzen Führers prophezeit hatte.